Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.

VdHK

Ziel des VdHK ist die Erforschung und der Schutz von Höhlen und Karsterscheinungen.

Lobbying Activity

Response to European Water Resilience Strategy

4 Mar 2025

Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (VdHK) kann die Initiative der Europäischen Kommission Europäische Strategie für eine resiliente Wasserversorgung nur begrüßen. Besonders Karstlandschaften sind durch Wasserknappheit, geringe Filterwirkung, schnelle Durchflusszeiten und einem angepassten Ökosystem gekennzeichnet und fast in jedem EU-Mitgliedsland zu finden. Nicht nur der VdHK rechnet damit, dass Karstgebiete stärker vom Klimawandel betroffen sind als andere Regionen. Deshalb muss auf diese geologischen Gegebenheiten ganz besonderes Augenmerk gerichtet werden, denn im Karst können sich Schadstoffe über das Grundwasser schnell über große Entfernungen ausbreiten und Menschen sowie unterirdische Arten und Ökosysteme schädigen. Nicht nur schwer abbaubare Schadstoffe wie PFAS können in Karstgrundwasserleitern eingeschlossen und mit der Zeit über Quellen freigesetzt werden. Karstgrundwässer sind besonders anfällig für die Übertragung von Bakterien, z. B. aus schlecht konzipierten Abwassersystemen, Pestiziden und Herbiziden von landwirtschaftlichen Flächen, Mikroplastik und Microfasern, Kohlenwasserstoffen von Straßen und Kraftstofflagern sowie Sedimenten aus der Landwirtschaft, dem Bergbau und deren Erschließung. Übermäßige Entnahme von Grundwasser aus dem Karst führt häufig zu Senkungen oder Einbrüchen an der Oberfläche. Die Risiken sind also deutlich höher als in anderen Landschaftsformen. In grundwasserabhängigen Karstökosystemen können selbst kleine Eingriffe zu schädlichen, möglicherweise irreversiblen Veränderungen der unterirdischen Lebensräume führen, einschließlich der natürlichen unterirdischen Biofilme, die aus vielen speziell angepassten Mikroorganismen bestehen. Abholzung, intensive Landwirtschaft und Bergbau stellen eine große Bedrohung für diese Fauna dar und führen zu schweren Verlusten an biologischer Vielfalt. Im Gegensatz zu den direkten Auswirkungen auf den oberirdischen Karst und seine einzigartige Artenvielfalt, betreffen die unterirdischen auch Veränderungen der Wasserqualität und -menge. Bergbautätigkeiten können die unterirdischen Wasserwege in einem Karstgebiet und darüber hinaus verändern, was in der Regel zum Versiegen von Quellen führt. Wichtig ist also Grundwasserökosysteme systematisch zu überwachen und wiederherzustellen, die Kontamination mit Schadstoffen zu verhindern, sowie eine nachhaltige Nutzung und Kreislaufwirtschaft. Anbei das VdHK-Statement zur UN Water Conference 2023.
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Response to Uniform format for national restoration plans

6 Feb 2025

Das EU-Nature Restauration Law (NRL) ist ein wichtiger Schritt, um die Natur zu schützen und den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Die biologische Vielfalt ist allerdings eng mit der geologischen Vielfalt verbunden. Dem trägt die neue Veröffentlichung der IUCN zur Bedeutung der Natur Rechnung (Justice 2025). Geologisches Erbe und Landschaften lassen sich nicht wiederherstellen, sondern müssen besser und strenger geschützt werden. Das zeigt unter anderem das Beispiel der Gipskarstlandschaft im Südharz. Es ist das einzige Gipskarstgebiet der Welt mit einem artenreichen Buchenwald-Ökosystem und steht teilweise unter dem Schutz von Natura 2000. Doch dieses einzigartige Ökosystem ist immer stärker durch den Gipsabbau bedroht. Zwar ist die Bergbauindustrie verpflichtet, Abbaustätten zu sanieren, aber ohne das Grundgestein Gips ist das Ökosystem für immer verloren. Eine Sanierung wird mit Sicherheit zu etwas anderem führen, aber nicht zu neuem Gipskarst, zumal dieser Prozess beim Karst Tausende von Jahren dauert. Beim Bodenabbau werden auch die unterirdischen Wasserwegbarkeiten unwiederbringlich verändert. Im vorliegenden Entwurf fehlt ein wichtiges Ökosystem: das Grundwasser. Es ist eng verknüpft mit oberirdischen Ökosystemen und ebenso durch den Klimawandel betroffen. Es bedarf also besonderer Aufmerksamkeit und darf in der Verordnung nicht außer Acht gelassen werden. Zu unterirdischen Ökosystemen haben speläologische Verbände Zugänge und entsprechende Daten, z.B. liegt die Zahl der zerstörten Höhlen in Deutschland derzeit bei 653! Eine wirksame und umfassende Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen, der Öffentlichkeit und der betroffenen Interessengruppen ist von zentraler Bedeutung für die Entwicklung starker nationaler Pläne und eine gute Umsetzung der NRL. Das Format sollte daher die in der Verordnung verankerten Bedingungen für die Beteiligung der Interessengruppen enthalten: offen, transparent, inklusiv und effektiv mit frühzeitigen Möglichkeiten zur Beteiligung. Eine wissenschaftliche Begründung zu der nationalen Wiederherstellungspläne ist von entscheidender Bedeutung und sollte die Grundlage für die Diskussionen mit den Interessengruppen bilden. Den Plänen sollten konkrete Karten beigefügt werden, da sie für die Bewertung der nationalen Wiederherstellungspläne durch die Europäische Kommission und die Interessengruppen von entscheidender Bedeutung sind. Alle rechtlichen Anforderungen aus der NRL sind verbindlich und in das einheitliche Format aufzunehmen. In den Tabellen müssten Informationen über jede neue Verschlechterung von Lebensräumen gesammelt werden, damit der Erfolg der Wiederherstellung geschädigter Lebensräume bewertet werden kann. Ebenso müssen die Ursachen der Verschlechterung eingetragen werden, um die nationalen Wiederherstellungspläne ständig zu verbessern. Wiederherstellungsmaßnahmen (Punkt 5.2) müssen darlegen, was zu überwachen ist: Maßnahmen für mehrere Taxa, Bewertung der ökologischen Unversehrtheit wiederhergestellter Lebensräume, Bewertung der Konnektivität. Eine wirksame Wiederherstellung sollte darauf abzielen, die biologische Vielfalt und die Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen, die ökologische Integrität und die Vernetzung zu verbessern (GBF-Leitlinien, Ziel 2), und das auch über Grenzen hinweg wie beispielsweise im Grundwasserkörper. Das vorgeschlagene einheitliche Format müsste den Austausch von Erfahrungen aus der Überwachung über biogeografische Regionen und nationale Grenzen hinweg ermöglichen und fördern. Für die Umsetzung des NRL sind ausreichende Finanzmittel erforderlich. Daher ist es wichtig, die Abschnitte über die Finanzierung im Entwurfsformat beizubehalten, einschließlich des geschätzten Finanzbedarfs für die Umsetzung der Wiederherstellungsmaßnahmen. Referenz: Justice, S., Crofts, R., Gordon. J.E. & Gray, M. (2025) The Meaning of Nature: Clarification for strengthened protection and management, IUCN WCPA Issues Paper Series No. 5, Gland, Schweiz: IUCN.
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