BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen
BAGSO
Die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen vertritt die Interessen der älteren Generationen in Deutschland.
ID: 57662532056-47
Lobbying Activity
Response to EU Anti-Poverty Strategy
24 Oct 2025
Die BAGSO begrüßt die Initiative der EK, eine umfassende Strategie zur Bekämpfung von Armut zu entwickeln und dabei eine Lebensverlaufsperspektive einzunehmen. Es ist wichtig, den politischen Entscheidungsträgern der EU und der Mitgliedstaaten Instrumente anzubieten, die darauf abzielen, den über Generationen hinweg bestehenden Armutskreislauf zu durchbrechen. Als Vertretung der Seniorenorganisationen stehen wir in der Verantwortung insbesondere auf Armut im Alter hinzuweisen. Dieses Problem wird weiterhin in vielen EU-Mitgliedstaaten unterschätzt trotz seiner gravierenden sozialen und gesundheitlichen Folgen. Im Wissen darum, dass die Bekämpfung von Altersarmut früher im Lebenslauf ansetzen muss, begrüßen wir präventive Maßnahmen. Dazu gehören aus unserer Perspektive konsequente Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Sorgetätigkeiten bzw. zur Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen, ein diskriminierungsfreier Zugang zum Arbeitsmarkt, angemessene Löhne sowie eine durchgehende Rentenversicherungspflicht für bezahlte Arbeit mit Mindestbeiträgen, die Einbeziehung von Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung sowie eine flächendeckende betriebliche Altersvorsorge. Gleichzeitig möchten wir auf die Notwendigkeit von Maßnahmen hinweisen, die den spezifischen Risiken für Armut im Alter begegnen. Pflegebedürftigkeit ist in vielen Ländern aufgrund der mangelhaften Absicherung, die bestehende Systeme bieten, eines der größten Armutsrisiken im Alter. Auch die Übernahme von Pflegeverantwortung für Angehörige kann zum Armutsrisiko werden. Es bedarf einer besseren Absicherung derjenigen, die Pflegeverantwortung übernehmen. Außerdem leisten Maßnahmen der Gesundheitsförderung über den Lebenslauf hinweg, die Prävention von Pflegebedürftigkeit ebenso wie geriatrische Rehabilitation einen erheblichen Beitrag zur Bekämpfung von Altersarmut. Studien zeigen, dass viele ältere Menschen, Leistungen trotz des Anspruchs darauf nicht beantragen. Die möglichen Gründe und Motive für die Nicht-Inanspruchnahme sind vielfältig. Dazu gehören Stolz oder Scham, ein fehlendes Bewusstsein vom Anrecht auf Hilfen, das Unwissen über die Hilfen und Hemmnisse beim Zugang zum Sozialsystem. Die Nicht-Inanspruchnahme von Sozialleistungen führt dazu, dass sich Armut verfestigt und verschärft, was sich wiederum nachteilig auf die soziale Teilhabe und die Gesundheit der betroffenen Personen über den Lebenslauf hinweg auswirkt und das Risiko von Pflegebedürftigkeit erhöht. Daher sollten sozialpolitische Anstrengungen darauf abzielen, dass soziale Hilfen alle erreichen, die darauf angewiesen und anspruchsberechtigt sind. Maßnahmen zur Entstigmatisierung der Inanspruchnahme von Hilfen sind ebenso notwendig wie verstärkte und zielgerichtete Beratung, die leicht erreichbar in den Quartieren angeboten wird, ergänzt durch aufsuchende Angebote, sowie der Abbau administrativer und institutioneller Barrieren. Je früher im Lebenslauf solche Maßnahmen ansetzen, desto größer die Chance Altersarmut vermeiden zu können. Hier können die EU-Mitgliedstaaten untereinander Erfahrungen austauschen und gemeinsam neue Lösungsansätze ausarbeiten. Die BAGSO unterstützt die Forderungen der EU-weiten Ad-hoc-Koalition, an der sich auch unser europäischer Dachverband AGE Platform Europe beteiligt. Eine erfolgreiche Armutsbekämpfung gelingt nur im Dialog mit Betroffenen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Wir bieten daher an, unsere Expertise und Netzwerke in den Prozess einzubringen. Aus Sicht der BAGSO bietet die EU-Strategie zur Armutsbekämpfung die Chance, die notwendigen Grundlagen zu schaffen, die allen Menschen ein gutes Leben im Alter ermöglichen. In Zeiten der Gesellschaft des langen Lebens ist es an der Zeit, Armut aus der Lebensverlaufsperspektive heraus zu bekämpfen. Die EU trägt die Verantwortung, Maßnahmen anzustoßen für eine Union, in der alle Menschen, unabhängig von Alter und Herkunft, ein Leben in Würde und Sicherheit führen können.
Read full responseResponse to EU Civil Society Strategy
20 Aug 2025
The German Association of Senior Citizens' Organisations (BAGSO) welcomes the Strategy for Civil Society. We call for strong commitment to embedding intergenerational solidarity as a guiding principle and promoting intergenerational exchange. Further, we call for EU initiatives that systematically promote intergenerational exchange in civil society, prioritise projects that strengthen communities and build a resilient European civil society, and foster dialogue between young and older people, enabling mutual advocacy. In times of limited resources, fiscal strain and rare opportunities for younger and older people to meet and engage with each other, the potential for conflict within society increases. Therefore, positioning intergenerational solidarity at the heart of the Strategy is crucial to reinforce social cohesion, strengthen democracy, and inspire a shared commitment to European values. The fact that experiences and ways of processing them vary between generations argues in favour of strengthening intergenerational exchange. This is because interactions and interrelationships offer a distinct ideal human potential, greatly enriching society. This can positively impact the immediate relationships between generations and thus individuals' attitudes towards life. The expertise of older people can provide a valuable framework for younger people's innovative strategies. Younger people feel more confident in developing innovative courses of action when they can use the expertise of older people to guide their own actions. For older people, being taken seriously, having their knowledge system accepted, and being able to contribute to innovation can foster a sense of purpose, commitment, and life satisfaction. One example dates back to 2015/16, when large numbers of people from abroad (mainly from Syria) came to Germany to seek refuge. Many civic initiatives were set up to support these refugees, often with substantial contributions from older people who wanted to give back, as they had received support at some point in their lives, for example, at the end of World War II. Promoting intergenerational relationships not only boosts innovation and creativity, it also activates the motive of generativity, a central driver in mid- and later life. Generativity is the desire to contribute to the well-being of future generations. When opportunities to engage with future generations arise, the conviction that one can devote one's life to something beyond oneself is strengthened. Personal responsibility gives rise to a sense of responsibility for the common good, resulting in positive outcomes for commitment to life, meaning of life and the will to live. Older persons can also be generative in a political sense. Throughout life, people gain experiences and insights that can lead them to feel a high degree of responsibility for society and the common good: an important aspect of generativity. To turn political debates for European democracy into an intergenerational project, opportunities are needed to bring generations together to promote democracy and the European idea. This can be guided by 2 questions: (I) How can older people use their voice to champion young people's needs and requirements? (II) How can young people ensure that older people's needs and requirements are respected? This can encourage generations to fight together for a democratic Europe, continuously drawing inspiration from one another. Democracy and Europe are conceived together through intergenerational solidarity, strengthening urgently needed societal cohesion. Embedding intergenerational solidarity into the Strategy for Civil Society will strengthen democracy, foster social cohesion, unlock human and societal potential, and inspire a shared sense of responsibility for Europe's future. Intergenerational solidarity must be key part of the Strategy.
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20 Apr 2023
Die BAGSO Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen ist die überparteiliche Dachorganisation von 120 Bundesverbänden, die sich im Bereich von Seniorenarbeit und Seniorenpolitik engagieren: Sozialverbände, Gewerkschaften, konfessionelle Verbände, Organisationen aus dem Bereich der Altenselbsthilfe und viele mehr. Eine zentrale Forderung der BAGSO ist die Schaffung von flächendeckenden Bildungsangeboten, die die vielfältigen Lebenslagen und Interessen älterer Menschen berücksichtigen. Die BAGSO begrüßt die Initiative der Europäischen Kommission, die Lernmobilität im europäischen Ausland für alle zu fördern. Aus ihrer Sicht müssen die Bevölkerungsalterung als ein globaler Megatrend sowie damit verbundene Aspekte bei der weiteren Förderung der Lernmobilität berücksichtigt werden. Ältere Menschen stellen rund ein Drittel der Bevölkerung in den verschiedenen Ländern der EU dar und dieser Anteil wird weiter steigen. Die Verlängerung der Lebenserwartung hat dazu geführt, dass die Altersspanne im sogenannten Ruhestand 30 Jahre und mehr betragen kann. Von einem Großteil der Älteren wird diese gesund und mobil erlebt. Zunehmend mehr Ältere engagieren sich freiwillig und übernehmen die Pflege und Betreuung von anderen älteren Menschen in ihrem Umfeld. Trotz der immensen Beiträge Älterer durch freiwilliges Engagement und der steigenden Erwerbsbeteiligung wird der nachberuflichen Bildung, aber auch der Bildung noch während der Erwerbsphase ab 50 Jahre, bisher zu wenig Aufmerksamkeit zugewandt. Dabei übernehmen ältere Menschen in zunehmenden Maße Verantwortung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, bringen sich und ihr Erfahrungswissen in vielen Handlungsfeldern, auch für jüngere Generationen ein. Von daher ist es unverzichtbar, ältere Menschen in die geplante Initiative einzubeziehen. So können ältere Menschen im Kontakt mit anderen älteren und jüngeren Menschen über Grenzen hinweg Erfahrungen austauschen und weiter geben (bspw. in Klimaschutzfragen), gemeinsam Bildungsprojekte anstoßen und begleiten (bspw. zur Integration von schwer erreichbaren Gruppen) oder auch Seniorexpertinnen und experten als Coaches von jungen Menschen (bspw. beim Übergang Schule/Beruf oder auch in lebenskritischen Phasen) wirken. Ältere Menschen haben ebenfalls eigene Bildungsinteressen und -bedürfnisse, die sich ebenso auf politische Bildung, Demokratieverständnis, Antidiskriminierungs- und Antirassismusarbeit, aber auch gesundheitsfördernde Bildung, Umweltfragen oder den Erwerb von Medienkompetenz richten. Hierfür gibt es bereits zahlreiche Beispiele auf nationaler Ebene, die durch die Einbindung in einen grenzübergreifenden Austausch zu zusätzlichen Gewinnen für den Einzelnen und die Umwelt führen könnten. Lebenslanges Lernen sollte sich nicht nur auf eine bestimmte Lebenszeit beziehen, sondern muss als lebenslanges Prinzip auch über die Berufsphase hinaus verstanden werden. Zu den Erfordernissen einer stärkeren Beachtung der Bildungsbedürfnisse älterer Menschen hat die BAGSO bereits im Jahr 2022 ein Positionspapier herausgegeben und sich für den Transfer guter Beispiele eingesetzt. Die in der Initiative angesprochene grenzüberschreitende Lernmobilität bietet hierfür weitere geeignete Möglichkeiten und sollte älteren Menschen in den verschiedenen Bildungsinstitutionen auch auf europäischer Ebene offenstehen. Hierfür bedarf es geeigneter Anlaufstellen und Informationsquellen ein Beispiel stellt für Deutschland das bundesweite Portal Wissensdurstig der BAGSO dar. Die BAGSO weist bereits Erfahrungen und Materialien zur Weitervermittlung von Kompetenzen im Bereich Medien und Gesundheit auf und kooperiert mit verschiedenen Organisationen, die sich im Bereich Wissensvermittlung auszeichnen. Ein weiteres Handlungsfeld bezieht sich auf die Qualifikation des Lehrpersonals, die gerade im Bereich Geragogik in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, noch ein erhebliche Defizit aufweist. (...)
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3 Apr 2023
Die BAGSO Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen ist die überparteiliche Dachorganisation von 120 Bundesverbänden, die sich im Bereich von Seniorenarbeit und Seniorenpolitik engagieren: Sozialverbände, Gewerkschaften, konfessionelle Verbände, Organisationen aus dem Bereich der Altenselbsthilfe und viele mehr. Ein wichtiges Anliegen der BAGSO ist die Stärkung des Engagements und der Teilhabe im Alter. Die BAGSO begrüßt die Initiative der Europäischen Kommission, eine Empfehlung zum zivilgesellschaftlichen Engagement auf den Weg zu bringen. Aus Sicht der Seniorenorganisationen müssen die Bevölkerungsalterung als ein globaler Megatrend, der die Länder der EU besonders betrifft, sowie damit verbundene Aspekte bei der Entwicklung der EU-Empfehlung eine zentrale Rolle spielen. Nur dann können das Ziel des Pakets zur Verteidigung der Demokratie erreicht und damit verbundene Maßnahmen zum breiten und sinnvollen zivilgesellschaftlichen und bürgerschaftlichen Engagement erfolgreich umgesetzt werden. Eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eine mitverantwortliche Teilnahme an der Gestaltung des Gemeinwesens sind für Menschen aller Generationen und für die Gesellschaft als Ganzes insbesondere mit dem Blick auf ein starkes Europa essentiell. Ältere Menschen machen einen großen und wachsenden Anteil der Gesellschaft aus. Ihr Engagement ist für die Gesellschaft unverzichtbar. Das Engagement älterer Menschen ist so bunt und vielfältig wie die Älteren selbst. Zeitaufwendige Tätigkeiten mit einer hohen Verbindlichkeit existieren ganz selbstverständlich neben projektbezogenen kurzfristigen Einsätzen. Umso wichtiger sind die Ermöglichung, die gesellschaftliche Anerkennung und die Förderung dieses Engagements sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung von Engagementfeldern, Rahmenbedingungen und Partizipationsmöglichkeiten. Die EU-Empfehlung zum zivilgesellschaftlichen Engagement kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Im Sinne der Subsidiarität tragen Staat und Kommunen die Verantwortung dafür, förderliche Rahmenbedingungen für Engagement und Partizipation zu schaffen. Engagement darf dabei nicht an ein kalendarisches Alter gebunden sein. Altersgrenzen im Engagement müssen kritisch hinterfragt und abgeschafft werden. Perspektivisch werden das politische Engagement im Alter und die Partizipation an politischen Entscheidungen an Bedeutung gewinnen. Die Mitgestaltung und die politische Partizipation älterer Menschen müssen gefördert werden. Die BAGSO setzt sich dafür ein, dass Engagement-Strukturen dauerhaft gefördert werden, insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen. Fördermittel und Zuwendungen müssen unbürokratisch abrufbar sein. Es müssen verlässliche und finanziell abgesicherte Infrastruktureinrichten und Begegnungs- und Beratungsangebote zur Unterstützung des Engagements älterer Menschen zur Verfügung stehen. Besondere Anstrengungen sind nötig, um auch Menschen Zugänge zu Engagement und Teilhabe zu ermöglichen, die aufgrund von Armut, gesundheitlichen Einschränkungen oder sozialer Isolation bislang nicht erreicht werden. Das digitale Engagement, die Zugänge zu digitalen Medien wie auch die Kompetenzvermittlung für deren Nutzung müssen ausgebaut werden. Das Engagement und die Partizipation dieser Älteren müssen gezielt gefördert werden, insbesondere durch wohnortnahe und lebensphasenorientierte Bildungs- und Qualifizierungsangebote. Auch die politische Teilhabe älterer Menschen muss gestärkt werden. Um auch die Babyboomer-Generation für Engagement zu gewinnen, müssten passgenaue und flexible Möglichkeiten entwickelt und neue Engagementformate erprobt werden. Das bedeutet auch, dass der Übergang in den Ruhestand von Arbeitgebern und anderen Akteuren durch Orientierungs- und Beratungsangebote aktiv begleitet und Angebote ausgebaut werden müssen.
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16 Sept 2022
Die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen begrüßt die Initiative der Europäischen Kommission, ein Ökosystem für zugängliche, hochwertige und inklusive digitale Bildung und Berufsbildung zu entwickeln und zu verwirklichen. Weiter unterstützt die BAGSO die in der Initiative benannten Zielsetzungen zur Umgestaltung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung und spricht sich für die Gewährleistung eines allgemeinen Zugangs zu hochwertiger digitaler Bildung und Berufsbildung aus. Investitionen in digitale Bildung und den Erwerb digitaler Kompetenzen sind Schlüsselfaktoren für die gesellschaftliche Teilhabe in einer zunehmend digitalen Welt. Insbesondere im Kontext des demografischen Wandels müssen die Belange älterer Menschen bei der weiteren Entwicklung von digitaler Bildung mit im Fokus stehen.
Als Vertretung der Interessen der älteren Generationen in Deutschland ist die BAGSO jedoch gleichzeitig zutiefst besorgt, dass die EU-Initiative die Bedeutung des Erwerbs digitaler Kompetenzen insbesondere für ältere Menschen aus dem Blick verlieren könnte. Die BAGSO appelliert daher an die Europäische Kommission, dem Recht auf Bildung, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen festgeschrieben wurde, auch für ältere Menschen zur Geltung zu verhelfen. Wie eine Studie des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte festhält, gehört der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten zu den Zielen des Rechts auf allgemeine und berufliche Bildung, lebenslanges Lernen und Kapazitätsaufbau. Der Zugang zu Bildung, Ausbildung, lebenslangem Lernen und Kapazitätsaufbau sei außerdem wichtig, um sicherzustellen, dass ältere Menschen ihre Menschenrechte wahrnehmen können.
Im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung in allen Lebensbereichen erhält das Recht auf Bildung eine besondere Bedeutung. In Deutschland sind laut DigitalIndex 21/22 mindestens sechs Millionen Menschen offline, das heißt, sie nutzen die Chancen nicht, die das Internet ihnen bieten kann. Unter den Menschen ab 76 Jahren ist jede zweite Person offline. Wie wir in unserem Positionspapier „Ältere Menschen in der digitalen Welt“ aufgeführt haben, können Menschen, die keinen Zugang zum Internet haben sowie weitere Millionen mit nur sehr geringen digitalen Kompetenzen, die Chancen der Digitalisierung nicht wahrnehmen und verlieren Möglichkeiten der Teilhabe. Viele essenzielle Alltagsaufgaben lassen sich nur noch digital erledigen oder sind anderweitig mit Mehrkosten oder weiten Wegen verbunden (z.B. Bankgeschäfte). Dies schließt insbesondere ältere Menschen mit geringem Einkommen und Mobilitätsbeeinträchtigungen aus.
Die Mehrheit älterer Menschen wird durch traditionelle Bildungseinrichtungen jedoch nicht erreicht. Insbesondere für diejenigen mit geringer formaler Bildung, geringem Einkommen und gesundheitlichen Einschränkungen bedarf es niedrigschwelliger Möglichkeiten des Lernens und damit auch neuer Formen der Technik- und Medienbildung im direkten Wohnumfeld, in der eigenen Häuslichkeit sowie in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Hierzu hat die BAGSO im Rahmen des DigitalPakt Alter, dem Digital-Kompass sowie des Projektes „Digital souverän mit künstlicher Intelligenz“ an über 200 Standorten deutschlandweit Internethelferinnen und -helfer geschult und begleitet, die ältere Menschen im Umgang mit digitalen Technologien unterstützen. Die BAGSO fordert, dass die Interessen der älteren Generationen und das lebenslange Lernen als Grundprinzip in den Empfehlungen für gezielte Maßnahmen der Initiative bedacht werden. So ist bei der Förderung eines intensiveren Dialogs zwischen Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung und Interessenträgern auf die Einbeziehung von Seniorenorganisationen zu achten. Diese können auch aufgrund von bestehenden Erfahrungen mit dem digitalen Kompetenzerwerb älterer Menschen und den erforderlichen Strukturen einen wesentlichen Beitrag leisten.
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